Interview mit Cornelia Funke

Wie kam Ihnen die Idee zu ihrem Buch Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel?

Das war tatsächlich ein ganz konkreter Anlass: Ich stand am Fenster meines Hauses in Hamburg, auf der anderen Seite der Straße stand ein Bauwagen. Es war spätabends, es schneite und war dunkel, aber in dem Wohnwagen war Licht und ich dachte: „Das ist ja ein Bauwagen, die sind doch alle weg. Wer ist denn da drin?“ Da war sie, die Idee: „Himmelherrgott, der Weihnachtsmann ist vom Himmel gefallen“ – und dann habe ich das Buch geschrieben.

Niklas Julebukk, der echte Weihnachtsmann, möchte Kindern und Erwachsenen wieder zeigen, dass die Weihnachtsfreude nichts mit Geld zu tun hat. Wie wichtig ist diese Botschaft heutzutage?

In unserer extrem materialistischen Welt ist diese Botschaft sehr wichtig. Man muss natürlich immer aufpassen mit solchen Botschaften. Als Kind mochte ich keine Botschaften, als Erwachsene mögen wir die auch nicht so gerne. Aber wir sind alle noch empfänglich für das Wunder, das wir uns im Grunde von Weihnachten erwünschen. Das Seltsame ist ja, dass wir immer noch diese Sehnsucht nach einer nicht-materialistischen Welt haben, obwohl sie so ist.

Wie können Eltern in der heutigen Konsumgesellschaft die im Buch vermittelten Werte an ihre Kinder weitergeben?

Wir sollten unseren Kindern viel Zeit schenken, für sie da sein und ihnen zuhören. Es geht für mich sehr darum, dass Kinder ernst genommen werden und ihnen das Gefühl vermittelt wird, ein sehr wertvoller und wichtiger Teil der Familien zu sein.

Was verbinden Sie persönlich mit der Augsburger Puppenkiste?

Ich bin mit der Puppenkiste aufgewachsen – das war die Verzauberung meiner Kindheit.

Was macht diese Verzauberung aus?

Das kann ich heute noch nicht so ganz erklären. Die Puppenkiste steht in vieler Hinsicht für eine deutsche Kindheit. Wenn ich meinen amerikanischen Freunden erklären wollte, warum ich die Plastikfolie, die ein Meer war, so unglaublich wunderbar fand, wäre das wahrscheinlich unmöglich. Aber ich weiß noch, wie ich als Kind vor dem Fernseher saß und wenn die Kiste aufging, dann war der Sonntag wirklich gut. Und ich habe gezittert und gebebt mit Lukas dem Lokomotivführer und vielen anderen.

In der Inszenierung der Augsburger Puppenkiste wird Ihr Text mit dem Charme des Marionettentheaters umgesetzt. Was verändert sich dadurch?

Der Zauber des Marionettentheaters ist ja auch, dass man mit der eigenen Vorstellungskraft etwas ergänzen muss. Deswegen würde ich auch den Marionetten eher verzeihen, wenn sie etwas anderes machen als im Buch.

Fällt es Ihnen leicht, Ihre Figuren los- und auf die Leinwand zu entlassen?

Das ist nie so ganz leicht, weil ich natürlich die Geschichte im Kopf habe. Aber da ich so wunderbare und sentimentale Erinnerungen mit der Puppenkiste verbinde, ist mir das in diesem Fall sehr leicht gefallen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur der Puppenkiste? Und wenn ja, welche?

Ich mochte ja Bill Bo und seine Bande sehr gerne! Aber ich glaube Jim Knopf war immer noch das Stück, das mich am meisten verzaubert hat. Das ist umso erstaunlicher, weil ich die Bücher hundertmal gelesen und alle Illustrationen mit Buntstiften ausgemalt habe.

Trotzdem konnten die Marionetten mich davon überzeugen, dass das genau dieselbe Geschichte war.

Wie verbringen Sie Weihnachten?

Mit einem großen Weihnachtsbaum, Kaffee im Garten und mit viel zu viel Dekoration überall im Haus. Wir lieben inzwischen unser Kalifornisches Weihnachten. Bei unserem letzten Weihnachtsfest waren wir abends erst am Strand und haben danach lange mit vielen Freunden zusammen gegessen. Danach haben wir über viele Stunden kleine und große Geschenke ausgepackt.

Wenn der Weihnachtsmann zu Ihnen kommt, was hat er im Gepäck?

Ich wünschte ja, er würde mal kommen! Bei uns ist er erst einmal gekommen, da war es ein verkleideter Nachbar und mein Sohn hat ihn an seinen Stiefeln erkannt.

Was ist Ihr persönlicher Weihnachtswunsch?

Ich wünsche mir, dass den Menschen endlich klar wird, dass die Zukunft der Menschheit darin besteht, EINE Menschheit zu werden und nicht verschiedene Völker, die sich darüber streiten, wie verschieden sie doch sind.

Bild © DRESSLER Joerg Schwalfenberg