Interview mit Klaus Marschall

Worum geht es in Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel – welche Botschaft steckt darin?

Die Botschaft ist das Wünschen an sich. In der Geschichte geht es darum, dass der Weihnachtsmann, der wahre Weihnachtsmann abstürzt, weil ihm sein Rentier im Gewitter abhanden kommt. Er landet in einer Seitenstraße, wird dann von Kindern entdeckt und erzählt ihnen von seiner Geschichte und der Bedrohung, die von der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ausgeht.

Welche Werte sollen in dem Stück transportiert werden?

Nicht die Größe des Geschenkes ist entscheidend. An Weihnachten geht es um die kleinen Wünsche, die mit ganzem Herzen erfüllt werden.

Wie fiel die Wahl auf Cornelia Funkes Kinderbuch?

Nachdem wir sehr erfolgreich bereits vor 10 Jahren das Stück bei uns auf der Bühne gespielt haben, fiel nach dem Erfolg von DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE schnell die Entscheidung für Cornelia Funke. Wir wollten ein Stück, das die traditionellen Werte der Weihnacht hervorhebt – und das an Aktualität nichts verloren hat.

Was macht die anhaltende Faszination für die Augsburger Puppenkiste aus?

Ich glaube, dass wir auch heute mit unserer Art Puppentheater, Marionettentheater zu spielen, immer noch die Erzählgeschwindigkeit berücksichtigen, der die Kinder auch folgen können. Vieles, was die neuen Medien heute zeigen ist einfach zu schnell, zu schnell geschnitten, zu schnell erzählt, zu schrill erzählt. Ich glaube, dass da viele Kinder gar nicht mehr folgen können, sondern einfach nur von der Buntheit der Bilder fasziniert sind. Wir wollen Geschichten so erzählen, dass Kinder auch die Geschichte mitbekommen.

Inwiefern sind die Animationsfilme von Disney und Pixar eine mögliche Konkurrenz?

Ich glaube nicht, dass man das als Konkurrenz sehen kann. Dazu sind wir zu grundverschieden. Wir machen wirklich schon eher ein Gegensatzprogramm.

Was unterscheidet die Aufzeichnung des Stückes im Studio von der Aufführung im Theater?

Die Theatersituation jetzt im Studio nachzuspielen, erleichtert uns einiges. Denn wir können hier, obwohl wir ja die gleiche Geschichte zeigen, doch mit den Kamerapositionen ein bisschen variieren, weil wir mit den Hintergründen besser arbeiten können und hier im Studio letztendlich auch mehr Platz haben.

Worin liegt der Unterschied zu einer Spielfilminszenierung?

Wir machen ja nach wie vor noch keinen Spielfilm, sondern wir zeigen eigentlich die Theateraufführung und machen das auch ganz bewusst, d.h. der Zuschauer bleibt Zuschauer, er bleibt außen vor. In einer Spielfilminszenierung wäre es so, dass die Kamera mit einsteigt in die Geschichte, mit Teil der Inszenierung wird. Das ist dann aber doch wieder etwas ganz anderes.

Welche Bedeutung hat die Kinoauswertung für die Augsburger Puppenkiste?

Nach dem sensationellen Erfolg von DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE, die wir ja ursprünglich als Experiment gestartet haben, hat die Kinoauswertung eine sehr große Bedeutung gewonnen. Wir haben eine neue, eine erste Generation an Kinobesuchern gewinnen können. Jetzt führen wir eine Strategie fort. Jedes Jahr im Advent gibt es exklusiv und nur im Kino einen neuen Weihnachtsfilm der Augsburger Puppenkiste.

Gibt es weitere Pläne in Bezug auf zukünftige Kinoauswertungen?

Die öffentlich rechtlichen Sender haben im letzten Jahr unsere jahrzehntelange, überaus erfolgreiche Zusammenarbeit leider nicht fortgesetzt. Daher müssen wir uns jetzt deutlicher platzieren und das Kino ist eine ganz wunderbare Möglichkeit dazu. Und ohne jetzt zu viel zu verraten, ja, wir haben noch Einiges vor.

Wie gestaltet sich die Zukunft der Augsburger Puppenkiste?

Für uns ist natürlich die primäre Aufgabe, mit der Puppenkiste im Gespräch zu bleiben. Aber jetzt haben wir die Möglichkeit, durch das Kino wieder neue (und alte) Generationen zu verzaubern. Dass uns das gelingt verdanken wir auch ein Stück weit dem Engagement der Kinobetreiber, die uns begeisterte Rückmeldungen gegeben haben. Deshalb wird es unsere Aufgabe sein, in ganz Deutschland die Marke „Augsburger Puppenkiste“ noch mehr präsent zu machen.